Wie wichtig es ist, aus Geschichte für die Gegenwart zu lernen, zeigte ein besonderer Besuch für unsere Jahrgangsstufe 10. An zwei Tagen berichteten Zeitzeugen aus ihrem Leben in der DDR und warben dafür, Freiheit und Demokratie aktiv zu schützen. Jeweils zwei Klassen gleichzeitig konnten den Vorträgen zuhören, Fotos und Originaldokumente ansehen und Fragen stellen.
Zu Gast war unter anderem Andreas Herzog, geboren in Löbau. Als junger Zeitsoldat plante er die Flucht in die Bundesrepublik Deutschland. Der Fluchtplan wurde jedoch entdeckt. 1978 verurteilte ihn das Militärgericht in Berlin wegen Fahnenflucht und Spionage zu mehreren Jahren Haft. Nach Verbüßung seiner Strafe durfte er schließlich 1984 ausreisen. In seinem Bericht ging es unter anderem um Fluchtversuche, Gefängnis, Überwachung durch das Minsiterium für Staatssicherheit (Stasi) sowie um Schule und die Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ).
Auch Christoph Becke erzählte seine Geschichte. Seine Familie zog in den 1950er Jahren aus München in die Nähe von Ost-Berlin. Später studierte er Physik und plante gemeinsam mit seiner Ehefrau die Flucht aus der DDR, um bessere berufliche Chancen zu haben. Der Fluchtversuch scheiterte, und beide wurden verhaftet. Während der Untersuchungshaft in Leipzig wurden sie verhört und voneinander getrennt. Nach ihrer Verurteilung saß Christoph Becke seine Strafe im Gefängnis in Cottbus ab. Nach einigen Monaten wurden er und seine Frau von der Bundesrepublik freigekauft und durften ausreisen.
Der Zeitzeugenbesuch machte Geschichte für viele Schülerinnen und Schüler besonders greifbar. Die persönlichen Erlebnisse zeigten eindrücklich, welche Bedeutung Freiheit, Demokratie und Menschenrechte heute haben.
Fachschaft Geschichte
*Zitat von Christoph Becke (URL: https://haft-ddr.de/hafterfahrungen/christoph-becke(Zugriff: 15/02/26).